Anna Maria Schmidt , MA

Die ungeklärten Gefahrenpotentiale der Gentechnologie


Im März 1986 trafen sich in Heidelberg internationale Wissenschaftler*innen und Vertreter*innen aus der bundesdeutschen Politik, um auf einem dreitägigen Symposion außenwirksam über „Die ungeklärten Gefahrenpotentiale der Gentechnologie“ zu diskutieren. Laut Organisationsteam waren die Gefahren der Gentechnik in der öffentlichen Debatte in der Bundesrepublik Deutschland zugunsten der von Betreiber*innen und Befürworter*innen formulierten Nutzungsinteressen bewusst vernachlässigt worden. Ziel des Symposions war es deshalb, kritisch über die möglichen Anwendungsfolgen der Gentechnologie zu reflektieren und die Diskussion in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Die referierten Themen erstreckten sich von den Gefahren eines militärischen Einsatzes der Gentechnologie über unsachgemäße Freisetzungen bis hin zu Seuchenszenarien durch genmanipulierte Erreger. Auf der Veranstaltung wurden jedoch nicht nur ökologische und biologische Gefahrenpotentiale der Gentechnik diskutiert, sondern auch daraus resultierende ethische Fragen sowie die Legitimität möglicher Entscheidungsinstanzen und ihrer Argumente verhandelt.

Gewissermaßen als positives sowie negatives Vorbild des Heidelberger Symposions fungierte die nach ihrem in Kalifornien gelegenen Veranstaltungsort benannte Asilomar-Konferenz von 1975. Dort hatten sich gut 150 der weltweit führenden Biowissenschaftler*innen zusammengefunden, um vor den Auswirkungen gentechnischer Manipulationen zu warnen. Einerseits gelang es den Wissenschaftler*innen damit, die zuvor lediglich in internen Kreisen geäußerten Zweifel in die Öffentlichkeit zu tragen, andererseits trug die Veranstaltung auch dazu bei, die Diskussion auf Fragen der Laborsicherheit zu verengen, die ab dato die amerikanische Debatte bestimmten. Dem sollte das Heidelberger Symposion entgegenwirken. Auch wenn der Begriff „Ethik“ im Tagungsband kaum auftauchte, forderten die Teilnehmer*innen doch ganz konkret die Einbringung von Wertmaßstäben und Naturvorstellungen in die Technikdiskussion.